Frostnächte

Frostnächte

Vor ein paar Tagen hat das Umweltministerium veröffentlicht, dass der Winter 2020 der zweitmildeste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen war. Das macht sich hier vor allem darin bemerkbar, dass die Vegetation ihrer Zeit weit voraus ist. Anfang März öffneten sich die Knospen der Pfirsich- und Aprikosenbäume im Alten Land und die Apfelbäume schieben Ende März die Blätter und Blüten aus den Knospen.

Gleichzeitig erleben wir gerade einen Kälteeinbruch. In Großteilen Europas sind die Nächte derzeit eiskalt. In manchen Gebieten zeigt das Thermometer am Boden sogar zweistellige Minustemperaturen an. Für diese Jahreszeit ist das normal, in Kombination mit der fortgeschrittenen Vegetation ist das jedoch fatal. Je weiter es auf die Blüte zugeht, desto frostempfindlicher wird sie. Eine Knospe, die sich gerade geöffnet hat, kann Temperaturen bis –7 °C aushalten, geöffnete Blüten erfrieren schon um den Gefrierpunkt. Voraussichtlich erreichen die Äpfel zu Ostern die Vollblüte, im langjährigen Mittel blühen sie jedoch erst Anfang Mai.

Fröste bis Mitte Mai und während der Blüte der Obstbäume sind in unserem Gebiet nicht ungewöhnlich und wir können uns mit der Frostschutzberegnung gut dagegen wappnen. Dieses Jahr ist insofern ungewöhnlich, als wir bisher noch nie im März beregnen mussten. Bis vor ein paar Jahren hatten wir vor oder während der Blüte nur wenige Nächte, in denen es so kalt war, dass wir die Beregnung angestellt haben. Seit Mitte März wurde in fünf Nächten beregnet und die Wettervorhersage verspricht für nächste Woche weitere Frostnächte.

Eine Knospe, die sich gerade geöffnet hat, kann Temperaturen bis –7 °C aushalten, geöffnete Blüten erfrieren schon um den Gefrierpunkt.

Auch wenn manche Mitarbeiter aufgrund der aktuellen Lage nach Hause gefahren sind, läuft die Arbeit weiter und jeder packt mit an. Da werden dann mal schnell gemeinsam mit der ganzen Familie, mit der Erfahrung der Älteren und der unbändigen Kraft der Jungen innerhalb von 1,5 Tagen die Beregnung für 3,5 ha Äpfel gebaut. Dieser Kraftakt hat sich gelohnt.

Frostschutzberegnung

Zum Schutz der Blüten vor Frostschäden machen sich die Obstbauern ein physikalisches Prinzip zu Nutze: Wenn Wasser gefriert, wird Erstarrungswärme frei. Wenn in Frostnächten also permanent ein feiner Sprühregen fällt und gefriert, bildet sich ein Eispanzer um die Blüte, in dem dann eine Temperatur knapp über 0 °C herrscht. Das Resultat sind geschützte Blüten.

Pro Stunde und Hektar werden so 38.000 Liter ausgebracht. Das Wasser dafür stammt aus der Elbe, das wir über Gräben in unsere Wasserrückhaltebecken pumpen. Von das aus wird es mit Regnern in den Höfen ausgebracht.

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