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Der Apfel in der Literatur

Kein Wunder, dass unser beliebtestes, meistverzehrtes, fast immer verfügbares Obst – der Apfel – Gegenstand der Literatur vieler Epochen ist, angefangen in der Bibel.

Nach der Schöpfungsgeschichte hat Eva, verführt durch die Schlange, die Frucht vom Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen gepflückt und sie Adam aufgedrängt. Es war aber verboten, die Frucht zu essen, denn mit der Erkenntnis hört die Unschuld auf.

Nirgendwo steht jedoch geschrieben, dass es sich bei der Frucht um einen Apfel handelte. Aber nach der Überlieferung gilt der Apfel als Obstfrucht schlechthin, und ist damit zum Symbol für die Fruchtbarkeit, die Verlockung, die Verführung und die vollkommene Schönheit geworden. Aber auch für die Sünde.

Die lateinischen Vokabeln für das Böse und für den Apfel schreiben sich gleich: „malus“ und „malus ex malo“ – „das Böse kommt vom Apfel“.

Im erotischen Buch des Alten Testaments, dem Hohelied Salomos, liest man: “Er erquickt mich mit Traubenkuchen und labt mich mit Äpfeln, denn ich bin krank vor Liebe“. Oder : „Lass deine Brüste sein wie Trauben am Weinstock und deiner Nase Duft wie Äpfel“.

Der römische Geschichtsschreiber Tacitus hielt von den Äpfeln der Germanen wenig. Die Früchte von den Bäumen nördlich der Alpen seien so hart und so sauer, dass sie ein geschliffenes Schwert stumpf machen.

In der „Edda“ leben die nordischen Götter länger als die Menschen, ohne jedoch unsterblich zu sein. Spürten sie die Last des Alters, konnten sie die Göttin Iduna um einen Apfel bitten, dessen Berührung sie wieder jugendlich frisch werden ließ.

In der klassischen Antike waren „die goldenen Äpfel der Hesperiden“ die Früchte der Unsterblichkeit.

Zum Objekt der Begierde wurde der Apfel auf der Götterhochzeit, zu der alle Unsterblichen geladen waren – bis auf Eris, die Göttin der Zwietracht. Als Racheakt erschien sie mit einem Apfel, der die Aufschrift „die Schönste“ trug. Um die Eitelkeit der Götter wissend, warf ihn Eris mitten in die Menge. Schnell entstand ein Streit zwischen Hera, Athene und Aphrodite.

Auch in Grimms Märchen geht es um den Schönheitswettbewerb:

„Wer ist die Schönste im ganzen Land“? Den Ausspruch der bösen Stiefmutter im Märchen „Schneewittchen“ kennt jeder. „An einem Apfel soll sie sterben, die Schönheit will ich ihr verderben“. Und um Schneewittchen loszuwerden, gibt sie ihr einen vergifteten Apfel. Den die Gute aber zum Glück in einem gläsernen Sarg wieder ausspuckt. Sichtbar werden hier Parallelen zur Schöpfungsgeschichte, wenn man die Stiefmutter mit der Schlange gleichsetzt.

Den Federn der Gebrüder Grimm entstammt auch noch ein weiteres Märchen – das der „Frau Holle“ oder auch „Goldmarie und Pechmarie“ genannt. Die gute Stieftochter bestand ihre Prüfung im Land der Frau Holle, indem sie den vollen Apfelbaum auf dessen Bitte hin schüttelte und ihn von der Last befreite. Die von der Stiefmutter bevorzugte eigene Tochter fiel durch die Prüfung, weil sie dem Bitten des Apfelbaumes nicht folgte: „Du kommst mir recht, es könnte mir einer auf den Kopf fallen.“ So wurde sie durch ihre Faulheit zur Pechmarie, ihre Stiefschwester jedoch mit ihrem Fleiß zur Goldmarie.

In „Goethes Faust“ sagt Faustus in der Walpurgisnacht:

„Einst hatt´ ich einen schönen Traum,

da sah ich einen Apfelbaum.

Zwei schöne Äpfel glänzten dran,

sie reizten mich, ich stieg hinan.“

Und Gretchen antwortet:

„Der Äpfelchen begehrt Ihr sehr,

und schon vom Paradiese her,

von Freuden fühl ich mich bewegt,

daß auch mein Garten solche trägt.“

Nun zu Friedrich Schiller. In seinem Drama „Wilhelm Tell“ wird der Apfel von einem Armbrustpfeil durchbohrt. Der Landvogt Gessler zwingt Tell, einen Apfel, den er auf den Kopf seines Sohnes gelegt hat, herunterzuschießen. Schiller sollte beim Dichten immer einen Apfel auf dem Schreibtisch liegen gehabt haben, weil ihm sein Duft als Muse diente.

Zahlreiche Sprüche und Gedichte, bis in die Gegenwart, haben den Apfel zum Inhalt. Wie zum Beispiel:

„Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm“ oder

„Der Apfel lehrt uns zu begreifen, die Besten sind doch stets die Reifen.“

„Wer täglich einen Apfel isst, dem kann es bald geschehen, dass er den Doktor ganz vergisst, uns wird es auch so gehen“.

Die Schlagersängerin Wencke Myhre sang 1970: „Beiß nicht gleich in jeden Apfel, denn er könnte sauer sein. Denn auf große rote Äpfel fällt man leicht herein“!

Man stößt auf Apfelgedichte der Romantiker Ludwig Uhland und Theodor Fontane. Von Hans Magnus Enzensberger, Christine Lavant, Joachim Ringelnatz und mehr…

Auch in der Gegenwartsliteratur stoßen wir auf Apfelromane wie z.B. „Der Geschmack von Apfelkernen“

Enden möchte ich mit einem Gedicht von Agnes Miegel, das auch für den Spätherbst passt:

 

Frühherbst

Die Stirn bekränzt mit roten Berberitzen,

Steht nun der Herbst am Stoppelfeld,

In klarer Luft die weißen Fäden blitzen,

In Gold und Purpur glüht die Welt.

 

Ich seh´hinaus und hör den Herbstwind sausen,

Vor meinem Fenster nickt der Wilde Wein.

Von fernen Ostseewellen kommt ein Brausen

Und singt die letzten Rosen ein.

 

Ein reifer roter Apfel fällt zur Erde,

Ein später Falter sich darüber wiegt.-

Ich fühle, wie ich still und ruhig werde,

Und dieses Jahres Gram verfliegt.

 

Katrin Augustin

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